Bämm… Na klar „Lieb dich selbst“ Part III

Warum ich es nicht einsehe, meinen Körper jemals zu hassen.

„Ich hasse meinen Körper“ oder „Ich hasse ______ an meinem Körper“ habe ich von fast jeder Person in meinem Umfeld gehört. Von klein auf hat mich das sehr betroffen gemacht, denn ich konnte nicht dahinter blicken, WARUM. Wieso sollte jemand seine menschliche Hülle hassen, die Hülle, die man bei der Geburt bekommt, die, die sich unserem Leben anpasst? Der Körper, der einfach da ist, ohne dass sich irgendjemand das ausgesucht hat. Nein, das verstand ich nie. Was ich aber irgendwann verstand, war, dass es während jeder Epoche und in jeder Kultur und Gesellschaft ein Schönheitsideal gibt. Selbst das ließ mich meinen Körper nicht hassen, denn es ist für mich eben genau das. Menschen haben gern Dinge, an denen sie sich orientieren können. Das bringt auf der einen Seite Sicherheit und auf der anderen Seite eine enorme Einschränkung. Ich kann gar nicht aussehen wie eine Frau aus der Werbung oder die Nachbarin oder wie ein Auto oder ein Elch. Ich kann mich daran orientieren. Muss ich aber nicht. Ich bin ich. Das ist doch, wie ich finde, das Tolle an uns. Keiner ist dem anderen gleich. Das macht für mich die Menschen aus.
Mein Körper ist stark, wenn es nötig ist stark zu sein. Mein Körper ist schwach, wenn er es kann und muss. Mein Körper gibt mir ständig Signale, die ich niemals außer Acht lassen könnte. Ich habe schon so viel erlebt und ausgehalten mit meinem Körper. Aber er hat durchgestanden. Ich kann gar nicht anders als diesen einzigartigen Körper zu lieben. Ich wohne hier drin und alles was ich mache, mache ich in Begleitung meines Körpers. Er ist mein geistiges Werkzeug. Er hilft mir all das zu erreichen, was ich möchte. Er ist DA.
Die „Schönheit“ ist dadurch für mich selbstverständlich. Wieso sollte ich die Meinung eines anderen zu MEINEM Körper als meine Wahrheit annehmen? Das ist mir nicht schlüssig.
Meine Kinder werden mich niemals mit kritischem Blick vorm Spiegel sehen. Meine Kinder werden sehen, wie ich mich über meinen Anblick erfreue und mich liebevoll begrüße, wie ich es mit allen Menschen mache, die ich liebe.
Ich schmücke mich, wie ich das will. Ich male mich an, wie ich das will.
Darüber diskutiere ich weder bei mir noch bei anderen.
Ich liebe mich so sehr ❤

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Bämm… Na klar „Lieb dich selbst“ Part II

In unserem letzten Beitrag berichtete eine unserer Impressionipsen, dass auch sie nicht immer ohne Zweifel und Sorgen ist, was ihren Körper betrifft. Diese Gedanken und Gefühle sind mir selbst nicht unbekannt. Ich bin wahrscheinlich noch längst nicht frei von jahrelanger Prägung darauf, was ein guter Körper ist, von dem, was zu erfüllen ist, um schön zu sein. Dennoch habe ich mich auf den Weg begeben, um genau das abzuschütteln und öffentlich für Diversität von Menschen einzustehen, in jeglicher Hinsicht.

In Momenten, in denen ich mich in Zweifeln suhle, mich am liebsten vor lauter Unzufriedenheit verkriechen würde, in denen habe ich eine Hand voll Strategien für mich gefunden, um wieder in meine liebevolle Mitte zu kommen. Was mir dabei hilft, ist folgendes:
Impressionips. Hier die Bilder von ganz unterschiedlichen Körpern zu betrachten, hilft mir enorm, mich als einen von ihnen zu akzeptieren. Alternativ ist eine meiner Freundinnen schon seit ihren Kindheitstagen passionierte Saunagängerin und erklärte mir neulich, dass das bei ihr zu einer Art Grundentspannung geführt hat. Sie ist auf diesem Wege schon immer unterschiedlichen Körpern in jeder Altersgruppe begegnet. Der reality check ist für mich äußerst hilfreich, womit ich auch gleich zum nächsten Punkt komme.
Mich selbst fotografieren. Wenn ich meinen Körper vor dem Spiegel ablichte, sehe ich mich mit ganz anderen Augen. Beim ersten Mal hat mich meine Taille überrascht, die mir vorher nie aufgefallen ist und nun zu einer meiner liebsten Körperregionen gehört. Betrachte ich einfach nur mein Spiegelbild, ist meine Einschätzung dessen sehr stark verknüpft mit meinen inneren Empfindungen. Dieses Bild dann auf Fotos zu sehen bringt eine gewisse Distanz, mit der mein Blick viel wohlwollender wird, so wie ich eben auch andere Menschen betrachte. Da würde mir niemals die Idee kommen, sie als nicht gut genug einzustufen und Körperteile von ihnen als verbesserungswürdig zu bezeichnen.
Mit anderen Menschen in Kontakt treten. Wenn ich eines festgestellt habe, dann ist es, dass ganz unabhängig vom Figurtyp wirklich jeder etwas an sich findet, was dringend überarbeitungsbedürftig ist. So beschwerte ich mich neulich über meine schlanken Beine und den dafür leicht Fett ansetzenden Bauch, meine Gesprächspartnerin fand das jedoch ganz wunderbar. Bei ihrem Körper war genau das Gegenteil der Fall, was sie selbstverständlich ebenfalls störte. Am Ende mussten wir doch ein wenig lachen ob der ganzen Absurdität.
Annahme. Ja, ich bin oft zwiegespalten. Ich finde Body positivity so unfassbar wichtig und beschäftige mich mit ganzem Herzen damit, betreibe diese Seite, zeige mich, so wie ich eben bin. Aber ich kann meinen Erfahrungen nicht vollends entkommen, den Beleidigungen und Herabwürdigungen, denen ich im Leben teilweise ausgesetzt war und bin. Wenn ich an Plakaten vorbeilaufe, sehe ich seit meiner Kindheit Abbildungen von Körpern, denen ich nicht entsprechen kann und so auch gar nicht möchte. Aber der Gedanke „Wenn das nun schön ist, dann bin ich es wohl nicht“, der sitzt manchmal tiefer als es mir bewusst ist. Doch ich weiß, woher er kommt und ich weiß, dass er keine allgemeingültige Realität widerspiegelt.
Mir gutes tun. Für mich beginnt der Weg zur Selbstliebe damit, lieb zu mir selbst zu sein. Ich mag es meine Muskeln zu spüren, daher mache ich Sport. Wenn ich tanze, entwickelt sich eine positive Energie in mir, mit der ich mich wohl fühle. Ich mag es mich zu schminken, lecker zu essen, Kleidung zu kaufen und manchmal auch einfach nur Fastfood mampfend auf der Couch zu versacken – je nach dem, was mir in dem Moment gut tut.
Ich betrachte gerne meine vierjährige Tochter vor dem Spiegel. Sie freut sich einfach nur über ihren Anblick. Da ist nichts kritisches, nichts destruktives und ich wünsche ihr so sehr, dass ihr dieser Blick ihr Leben lang erhalten bleibt. Wenn ich überlege, wie lange ich mein schlimmster Feind war und wie viel Energie ich in die Ablehnung von mir selbst gesteckt habe, dann wünsche ich es ihr nur umso mehr.PicsArt_10-13-09.59.35

Bämmm, na klar „lieb dich selbst“!

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Da mache ich hier diese Seite und glaubte wirklich, ich bin wenigstens ein bisschen am Ziel, auf dem richtigen Weg sozusagen bezüglich Annahme und Selbstliebe.
Dann bekam ich vor ein paar Tagen das Angebot bei einem Fotografen professionelle Bilder für Impressionips machen zu lassen, damit die Seite
mehr zündet und mehr Menschen angesprochen werden.
Innerlich bekam ich sofort Panik und eine richtige Abwehr und überlegte schon krampfhaft nach Ausreden, warum das nicht klappt.
Eine Ausrede wäre gewesen, wir wollen die Bilder hier ja gar nicht professionell, es soll einfach mitten aus dem Leben sein und nicht schön dahindrapiert.
Es ist nicht nur Ausrede, denn da ist tatsächlich etwas dran und somit hätte ich auch wirklich eine schlüssige Begründung gehabt. In erster Linie ging es aber gar nicht darum.

Was schon mal nicht mehr klappte, war mich selbst zu verarschen und ich schaffte es nicht, meine Gedanken und Gefühle zu ignorieren.
Warum versetzte mich das so in Aufruhr? Was waren meine ersten Gedanken? „Wer soll schon von mir schöne Bilder machen“? „Was, wenn dann nicht wenigstens ein schönes Bild dabei rum kommt“?
Ich hab mich dann wie eine Betrügerin gefühlt, werbe ich doch hier für Vielfalt und Empowerment und habe so einen furchtbaren Blick auf mich selbst.
Klar, hier in meiner Blase kann ich die Klappe aufreißen, hier hab ich alles unter Kontrolle und zeig nur von mir, was ich will und wo ich den wohlwollenden Blick auf mich selbst schon hinbekomme.
Der Blick von außen macht mir Angst, das ist jetzt so weit klar.
Ich versuch diese Selbstzweifel zu ergründen, kann keine Antworten liefern, wollte sie aber aussprechen.
Ich brauche auch noch ganz viel Impressionips, Bodylove und Empowerment.

Body Positivity und das Alter

 

Ein jugendliches Aussehen: Nicht nur wird es überall beworben und zugleich suggeriert, dass dieses zu erreichen und vor allem es zu erhalten der Weg zu mehr Freude und Lebensglück sei. Dass Attraktivität davon abhänge, wie jung und frisch wir wirken. Es ist auch scheinbar so leicht und für jeden Geldbeutel zu erreichen. Sei es über die Ernährung, mithilfe von Anti-Aging Cremes, Farbe für die ergrauten Haare oder auf radikalerem Wege durch chirurgische Eingriffe. Alles kann helfen, um den natürlichen Alterungsprozess zu verschleiern, um den Eindruck von Jugendlichkeit zu erhalten.

Die Frage ist, warum? Wenn wir uns die Lebensspanne eines Menschen anschauen, dann stellt die Jugend einen vergleichsweise engen Zeitraum dar und der Alterungsprozess beginnt im Gesamtbild sehr zeitig. Erste Falten und graue Haare anzutreffen sind noch in den Zwanzigern keine Seltenheit.

Was am Altern ist es wert aufgeschoben oder verhindert zu werden, wo es doch jeden Menschen trifft, welcher den Zwanzigern entwächst? Meines Erachtens spielen da zum einen Vorurteile eine wesentliche Rolle: Alte Menschen sind sexuell nicht interessiert, sind unflexibel, konservativ, bauen geistig und körperlich stetig ab, laufen Gefahr einsam zu sein und überhaupt. Ja, kacke, wenn all das stimmt, hätte ich auch keinen Bock darauf alt zu werden. Gott sei Dank sind die meisten dieser Vorurteile nichts anderes als das: Vorurteile eben. Sie geben nicht die Wirklichkeit wieder. Zu diesen gesellt sich noch das gesellschaftlich geprägte Schönheitsideal, zu dem ein straffer schlanker Körper gehört. Wenn wir altern, verändert sich jedoch unsere Haut und auch unser Stoffwechsel und Hormonhaushalt, weswegen es durchaus schwerer fallen kann, ein niedriges Gewicht zu halten. Es ist demnach recht wahrscheinlich dieser genauen Vorstellung von Schönheit jenseits der Dreißiger, spätestens jedoch der Vierziger nicht (mehr) zu entsprechen.

Was nun allerdings wirklich paradox ist: Während jungen Menschen die Welt der modischen Vielfalt quasi uneingeschränkt offen steht, werden im Alter Erwartungen gestellt. Eine Frau in ihren Sechzigern wird sich doch wohl kaum in Miniröcke und High Heels schmeißen können, ohne schräg angestarrt zu werden. Einem Rentner wird niemand zu Sidecut und Regenbogenhaar raten.

Wir sollen unsere Jugend möglichst erhalten, aber bitte nicht so jugendlich dabei sein.

Fakt ist, unser Körper verändert sich stetig. Wir werden geboren, wir wachsen, wir altern. In jeder Phase unseres Lebens geschieht Entwicklung. Es gibt keinen Stillstand. Der Körper trägt die Spuren des Lebens mit sich. Wir sammeln auf unserer Haut Risse, Narben und Falten. Sie alle erzählen eine Geschichte, sei sie von Freude oder auch von Kummer geprägt. Unsere Körper geben uns über viele Jahrzehnte ein Zuhause, lassen uns laufen, sehen, arbeiten, fühlen und erleben. Ich schätze meine Erfahrungen sehr, liebe die Spuren, die sie auf meinem Körper hinterlassen haben und möchte diese nicht verleugnen. Ich werde älter, aber garantiert nicht weniger schön.

Was das Thema der modischen Konventionen im Alter betrifft, kann ich nur eines sagen: Ich pfeife auf die Konvention und trage, womit ich mich wohl fühle. Mein Körper, meine Entscheidung, wie und womit ich ihn schmücke. Das wird mit 66 noch genauso sein wie mit 16 oder 26.

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Wo fängt Bodyshaming an?

Bodyshaming – das Abwerten von Körpermerkmalen. Das passiert unter anderem Menschen, die „zu dick“ sind. Sie werden konfrontiert mit Vorurteilen wie „Die sind zu faul zum Bewegen und es mangelt ihnen an Disziplin“ oder „Die essen den ganzen Tag nur Fastfood“. Es wird mit „Beach Bodys“ geworben und einem bestimmten Figurtyp, dem Mensch (viel eher Frau) zu entsprechen hat, um einen Bikini tragen zu können. Genauso sollte die etwas fülligere Frau bitte möglichst ihre Speckröllchen kaschieren, statt sich für enge und womöglich auch noch kurze Kleidung zu entscheiden.
Bodyshaming gibt es jedoch ebenfalls in die andere Richtung – Skinny Shaming: „Die ist ja nur Haut und Knochen. Richtige Frauen haben Kurven.“ Ein Dilemma.
Menschen werden jedoch nicht nur aufgrund ihrer Figur abgewertet. Rote Haare, keine Haare, Sommersprossen, große Ohren, kleine Ohren, schiefe Zehen, kurze Beine, zu kleiner Po, zu großer Po, dasselbe bitte auch mit Brüsten, zu wenig Bartwuchs, zu starke Körperbehaarung, die Liste ist schier unendlich. Mensch kann eigentlich kaum richtig sein. Ich wiederhole: Ein Dilemma.

1503068767110An dieser Stelle stehen wir nun und haben beschlossen, diese Seite gegen Bodyshaming ins Leben zu rufen. Wir feiern unsere Vielfalt, unsere Körper, unsere Liebe. Und dann passiert das irritierendste Bodyshaming von allen:

Mehr als einmal erhielten wir nun schon die Rückmeldung, dass die bei uns dargestellten (und die uns zugeschickten) Körper zum Teil „zu schön“ seien. Ebenfalls lasen wir schon, dass Frau aufgrund ihres dem gängigen Schönheitsideal entsprechenden Körpers sich nicht traue, uns ein Bild zukommen zu lassen. Als hätte ein bestimmter Figurtyp kein Recht darauf, für all unsere Themen zu stehen.

Unsere Antwort darauf: Ja nee, verdammt! Körper sind schön! Ausnahmslos. Deswegen gibt es uns ja. 😉
Es gibt kein zu schön, zu dick, zu dünn, zu dellig, zu glatt, zu haarig, zu klein, zu groß, zu alt oder zu jung, wenn wir Körper in all ihrer Individualität feiern wollen. Wir möchten hier jedem einen Raum bieten, um sich auf seine Art und Weise zu präsentieren. Daher wäre es uns eine große Freude, wenn alle Körper einfach sein können, ohne dass einer von ihnen beschämt oder abgewertet wird. Body positivity gilt für jeden und hat nicht einfach nur etwas mit Schönheit zu tun. Menschen haben durchaus Vorlieben, bevorzugen gewisse Körpermerkmale vor anderen – und das ist auch okay. Was jedoch einfach nur scheiße ist, ist anderen Körpern ihren Wert abzusprechen und Menschen in diesen Körpern zu beschämen. Das Resultat sind Menschen, die sich weder wohl in ihren Körpern fühlen noch sicher noch wertvoll. Auf Grund von reinen Äußerlichkeiten. Ein verdammtes Dilemma! Unsere Chance: Wir können alle füreinander stehen. Miteinander, nicht gegeneinander. Auch und gerade mit unseren Körpern, unserem Sein und der Art uns zu zeigen. Herzlichst, eure Impressionipsen ❤️

Selfie Queen/King

Glaubenssatz: Mensch muss schon sehr selbstverliebt sein, um dauernd Selfies zu machen und die Umwelt mit häufig wechselnden Profilbildern/Selfies zu nerven.

Noch gar nicht so lange her, dass ich ganz selten mal ein Selfie gemacht habe und auch ansonsten gibt es nicht viele Bilder von mir, weil ich diejenige bin, die meistens die Bilder schießt.
Dann geriet ich in eine kleine aber feine Onlinecommunity, die ein Glücksgriff ist. Ein fester Bestandteil der Gruppe ist der Selfie-Thread, wir posten Bilder von uns in allen möglichen
Lebenslagen.

Dabei sind ein paar Sachen passiert.

1. Ich mache des Öfteren Selfies von mir, mittlerweile sogar ungeniert während des Einkaufens, am See, beim Familienessen usw.
2. Ich befasse mich mit meinem Gesicht und Körper, entdecke viele Facetten an mir selbst, die mir vorher gar nicht bewusst waren.
3. Es ist ein bisschen so, als ob auch ich noch vieles an mir kennenlerne und das ist toll.
4. Ich weiß jetzt, wie ich aussehe, wenn ich müde, traurig, hungrig, relaxt, genervt, zufrieden, albern und glücklich bin.
5. Ich betrachte mich liebevoll, interessiert und humorvoll.
6. Ich bin mir vertrauter geworden.

Und ja, ich bin plötzlich „Selbstverliebt“ und weiß überhaupt nicht mehr, warum dieser Begriff so negativ belegt ist, weil in sich selbst verliebt sein etwas ganz Wunderbares ist.
Mein Fotospeicher ist voll mit Bildern der wichtigsten Person in meinem Leben, von mir 😊

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„Ich bin ja nicht nur Mutter – Ich bin ja auch noch Frau und Ehefrau.“

Diesen Satz konnte ich schon häufiger in Bezug auf den eigenen Körper lesen. Dass das Mutterdasein ja keine Freigabe dafür sei, sich gehen zu lassen. In einem Fall wurde sogar ein ungeschminktes Gesicht als Vernachlässigung des Körpers deklariert. Wenn Frau dann noch an Garderobe spart und kinderübliche Flecken an der Kleidung einfach mal für ein paar Stunden ignoriert, statt sich fünf mal am Tag umzuziehen, kann sie sich der hämischen Empörungsschreie quasi sicher sein.

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Nun denn. Ich bin ja nicht nur Mutter – ich bin ja auch noch Frau und Ehefrau.
Welche Aussage steckt denn dahinter?

In meiner Rolle als Mutter mag mein Äußeres keine übergeordnete Funktion haben, da meine Kinder mich diesbezüglich nicht beurteilen und ihre Liebe nicht von meiner Kleidergröße abhängt.
In meiner Rolle als Frau und Ehefrau gibt es jedoch eine vermeintliche höhere Instanz, welche verlangt, dass mein Äußeres einem gewissen Standard zu entsprechen hat. Wir wissen, wie dieser aussieht: schlank, strahlend und straff. Das zeigen uns auch diverse prominente Mütter, die sich knapp nach der Geburt eisern Wettkämpfe um die flachsten Bäuche liefern.

Mal ganz davon abgesehen, dass Frau in der ersten Zeit des Mutterdaseins meistens kaum Ressourcen hat, um sich umfassend dieser Körperoptimierung zu widmen und auch abgesehen davon, dass ich es als höchst fragwürdig erachte, ob ein Körper nach der Mammutaufgabe einer Schwangerschaft so schnell bereit für die nächste Mammutaufgabe ist – Warum ist „schlank, strahlend und straff“ das unbedingt zu erfüllende Kriterium?
Der Körper beherbergt neun Monate (mindestens) einen anderen Menschen in sich, nährt ihn, lässt ihn wachsen und da bleiben in vielen Fällen Spuren, Risse, Narben, Kilos und andere Veränderungen zurück. Und diese Transformation macht einen Körper nicht weniger schön, nicht weniger wert und sie sollte auch nicht dazu beitragen, dass einem das eigene Wohlgefühl abhanden kommt. Ein Körper ist nicht ungesund und nicht weniger attraktiv, nur weil er einem von außen gesetzten Ideal nicht (mehr) entspricht. Und vor allem ist eine Frau nicht weniger Frau, wenn sie ihren Körper nach der Geburt annimmt, anstatt mit ihm in den Kampf zu geraten.

Dein Körper gibt dir ein Zuhause. Er erschafft Leben. Niemand hat darüber ein Urteil zu bilden. Sei gut zu dir.